Warum PARK(ing) Day?

Umdenken für eine lebenswertere Stadt

Allein in Leipzig sind, Stand 2013, circa 207.000 PKW zugelassen. Würde man einen Parkplatz bauen, auf den all diese Fahrzeuge auf einmal passen würden, so müsste der über 2,6 km² groß sein. Das entspricht einer Fläche, die mehr als dreimal so groß ist wie die Leipziger Innenstadt. Der tatsächliche Platzbedarf ist dabei noch weitaus größer. Das Auto benötigt einen Parkplatz am Wohnort und natürlich auch einen am Ziel - auf Arbeit, am Supermarkt, am Baggersee. Hinzu kommen noch die Straßen dazwischen. Auch hier ist der Flächenbedarf des Autos deutlich höher, als der aller anderen Verkehrsträger.

 

Vergleich Flächeninanspruchnahme durch Pkw, Bus, Straßenbahn, Stadtbahn, Rasdfahrer und Fußgänger.  Grafik: Martin Randelhoff, www.zukunft-mobilitaet.net - CC BY 3.0-Lizenz
Vergleich Flächeninanspruchnahme durch Pkw, Bus, Straßenbahn, Stadtbahn, Rasdfahrer und Fußgänger. Grafik: Martin Randelhoff, www.zukunft-mobilitaet.net - CC BY 3.0-Lizenz

 

Das Leitbild einer autogerechten Stadt sah die Aufgabe der Stadtplaner bis in die 1990er Jahre hinein darin, dem steigenden Flächenbedarf des Autoverkehrs nachzukommen. Die Funktionen Wohnen, Arbeiten und Einkaufen wurden räumlich getrennt. Die Wege dazwischen hatten vordringlich der Distanzüberwindung zu dienen und wurden entsprechend um- und ausgebaut.

 

Funktionstrennung und Autofixierung in perfekter Ausführung: das NSA-Gebäude in Maryland. Foto: von Unbekannt [Public domain], via Wikimedia Commons
Funktionstrennung und Autofixierung in perfekter Ausführung: das NSA-Gebäude in Maryland. Foto: von Unbekannt [Public domain], via Wikimedia Commons

Das hat viele Stadträume zu unwirtlichen Orten gemacht, von denen sich die Menschen in mehreren Suburbanisierungswellen abwenden und ihr Glück im Eigenheim auf der grünen Wiese suchen.

 

Spätestens seit der Jahrtausendwende hat die Fixierung der Stadtentwicklungsplanung auf das Auto ausgedient. An dessen Stelle tritt nun das Leitbild der kompakten, europäischen Stadt. Sie soll durch eine effektive Nutzungsmischung, kurze Wege ermöglichen. Fuß-, Rad-, und öffentlicher Nahverkehr sollen gefördert, der Autoverkehr reduziert werden. Dadurch wird die Stadt wieder ein begehrenswerter Lebensraum mit attraktiven öffentlichen Räumen und guten Umweltbedingungen. 

 

Das neue Stichwort heißt Stadtreparatur.  Die Verfehlungen aus der Zeit der autogerechten Stadtplanung müssen nach und nach beseitigt und Neue vermieden werden. Trotz noch immer großer Hindernisse (Stellplatzpflicht in Sachsen) ist Leipzig auf diesem Weg schon ein gutes Stück gegangen. Das ist einer der wesentlichen Gründe für die positive Wahrnehmung Leipzigs in der Welt und den stetigen Zuzug in die Stadt.

 

Richard Wagner Platz 1960, Foto: H.-P. Haack
Richard Wagner Platz 1960, Foto: H.-P. Haack
Richard Wagner Platz 2014, Foto: Eigene Aufnahme
Richard Wagner Platz 2014, Foto: Eigene Aufnahme